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Der Dom von Neapel

Der Dom von Neapel
Foto: Wolfgang Moroder · CC BY-SA 3.0 · verkleinert und zugeschnitten

Als wir den Dom von Neapel zum ersten Mal betraten, erwarteten wir eine große Kathedrale – und die fanden wir auch. Was wir nicht erwartet hatten: dass sich darin, Seite an Seite, eine frühchristliche Basilika, ein fast sechzehn Jahrhunderte altes Baptisterium und eine der prächtigsten Barockkapellen Italiens verbergen. Deshalb raten wir euch, mehr Zeit einzuplanen, als ihr denkt.

Eine Kathedrale der Anjou auf uralten Fundamenten

Der Dom, der Santa Maria Assunta geweiht ist, steht an der Via Duomo, mitten in der Altstadt. Der Bau des gotischen Gotteshauses begann unter Karl II. von Anjou um 1290 und wurde unter seinem Sohn Robert von Anjou vollendet: Die feierliche Weihe fand 1314 statt. Die neue Kathedrale entstand jedoch nicht aus dem Nichts: Sie bezog viel ältere Kirchenbauten mit ein, die man noch heute besichtigen kann.

Ihre Geschichte ist von Erdbeben geprägt. Das Beben von 1349 brachte Fassade und Glockenturm zum Einsturz, jenes von 1456 beschädigte das Langhaus schwer. Jedes Mal wurde die Kirche repariert und bereichert, sodass heute ganz unterschiedliche Stile nebeneinander bestehen.

Die Fassade und das Innere

Die Fassade, die wir heute sehen, ist jünger, als sie wirkt: Sie ist neugotisch, Ergebnis eines Wettbewerbs von 1876, den Errico Alvino gewann, und die Arbeiten endeten 1905. Original sind dagegen die drei gotischen Portale von 1407, die Antonio Baboccio da Piperno zugeschrieben werden.

Beim Eintreten beeindrucken die Ausmaße des Mittelschiffs, rund 100 Meter lang, mit vergoldeter Kassettendecke und zahlreichen Gemälden. Entlang der Wände öffnen sich Kapellen aus verschiedenen Epochen – es lohnt sich, sie eine nach der anderen anzuschauen, statt direkt zum Altar zu gehen.

Santa Restituta und das Baptisterium San Giovanni in Fonte

Vom linken Seitenschiff aus gelangt man in die Basilika Santa Restituta, eine frühchristliche Kirche aus dem 4. Jahrhundert, die als älteste der Stadt gilt und in der Barockzeit umgestaltet wurde. Für uns war sie die schönste Überraschung des Besuchs: Eine Kirche in einer anderen Kirche zu betreten, vermittelt wirklich, wie tief die Geschichte Neapels reicht.

Gleich daneben liegt das Baptisterium San Giovanni in Fonte, das zu den ältesten des Abendlandes zählt, mit Fragmenten frühchristlicher Mosaiken in noch leuchtenden Farben. In diesem Bereich sind auch Reste aus griechischer und römischer Zeit zu sehen – ein Zeugnis dafür, dass dieser Ort seit über zweitausend Jahren ununterbrochen genutzt wird.

Der Schatz und der Succorpo des San Gennaro

Am rechten Seitenschiff öffnet sich die Königliche Schatzkapelle des San Gennaro (Reale Cappella del Tesoro), die auf ein Gelübde der Stadt von 1527 zurückgeht, zwischen französischer Belagerung und Pest, ab 1608 errichtet und 1646 vollendet wurde. Hier arbeiteten Künstler wie Cosimo Fanzago, Domenichino, Giovanni Lanfranco und Jusepe de Ribera. In der Kapelle werden die Ampullen mit dem Blut des Stadtpatrons aufbewahrt. Den überaus reichen Schatz aus Juwelen und Silber bewundert man dagegen im angeschlossenen Museum, das einen eigenen Eingang hat.

Unter dem Hauptaltar steigt man in den Succorpo hinab, auch Cappella Carafa genannt, zwischen 1497 und 1508 von Tommaso Malvito geschaffen: Er ist eines der Meisterwerke der Renaissance in Neapel und birgt die Reliquien des San Gennaro. Ein stiller Ort, an dem man die tiefe Verehrung der Neapolitaner für ihren Schutzpatron spürt.

Das Blutwunder

Der Dom ist vor allem mit dem Wunder des San Gennaro verbunden, der Verflüssigung des in den Ampullen aufbewahrten Blutes. Der Tradition nach wird das Wunder dreimal im Jahr erwartet: am Samstag vor dem ersten Sonntag im Mai, am 19. September, dem Fest des Heiligen, und am 16. Dezember, dem Jahrestag des Vesuvausbruchs von 1631. An diesen Tagen füllt sich die Kathedrale mit Gläubigen und Neugierigen. Alles darüber erzählen wir euch in Das Wunder des San Gennaro.

Anreise und beste Besuchszeit

Der Dom liegt an der Via Duomo und ist zu Fuß vom Hauptbahnhof an der Piazza Garibaldi oder von der Station Duomo der Metrolinie 1 erreichbar. Wir empfehlen einen Besuch an einem Werktag außerhalb der Gottesdienste, um Santa Restituta und das Baptisterium in Ruhe zu sehen. Denkt daran, dass es ein Gotteshaus ist: angemessene Kleidung und Respekt während der Messen. Baptisterium und Museum haben eigene Eingänge und Tickets, prüft also Öffnungszeiten und Preise vor der Abreise auf der offiziellen Website.

In der Umgebung

Für die Reiseplanung startet ihr am besten mit unserem Reiseführer Neapel und Umgebung. Der Dom ist eine natürliche Etappe der Route aus Neapel zwischen Kirchen und Basiliken, und von hier gelangt man über die Via dei Tribunali zum Eingang von Unterirdisches Neapel besuchen. Etwas weiter, in der Via Vicaria Vecchia, erwartet euch der San Gennaro von Jorit, den ihr in Die Murals von Neapel findet.

Foto oben (Neapel): This Photo was taken by Wolfgang Moroder. Feel free to use my photos, but please mention me as the author and send me a message. This image is not in the public domain. Please respect the copyright protection. It may only be used according to the rules mentioned here. This specifically excludes use in social media, if applicable terms of the licenses listed here not appropriate. Please do not upload an updated image here without consultation with the Author. The author would like to make corrections only at his own source. This ensures that the changes are preserved.Please if you think that any changes should be required, please inform the author.Otherwise you can upload a new image with a new name. Please use one of the templates derivative or extract., CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.

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