
In Neapel ist Kaffee nicht nur ein Getränk: Er ist eine Art, beisammen zu sein, eine Pause, die man anbietet und annimmt, ohne lange darüber nachzudenken. Wir haben ihn im Stehen an der Theke getrunken, in Gesellschaft von Fremden, und jedes Mal hatten wir das Gefühl, an einem kleinen Ritual teilzunehmen. Hier ist, was hinter der Tazzina steckt.
Wie der Kaffee nach Neapel kam
Man erzählt, dass Maria Karolina von Österreich, die Gemahlin von Ferdinand IV. von Bourbon, die Kaffeemode am Hof einführte: Sie soll ihn 1771 bei einem Ball im Königspalast von Caserta servieren lassen haben. Ob es genau so war oder nicht, seitdem ist Kaffee in der ganzen Stadt Teil des Alltags, in den Palästen wie in den Gassen.
Die Cuccumella, die neapolitanische Kaffeekanne
Vor der Moka benutzte man in neapolitanischen Haushalten die neapolitanische Kaffeekanne, liebevoll Cuccumella genannt, eine Verkleinerungsform von Cuccuma, dem Gefäß aus Kupfer oder Terrakotta. Kurioserweise war der Erfinder kein Neapolitaner: Es war der Franzose Jean-Louis Morize, der dieses System 1819 entwickelte.
Das Prinzip ist einfach, verlangt aber Geduld. Man erhitzt das Wasser im unteren Behälter, dann wird die Kanne umgedreht: Das Wasser läuft langsam durch die Schwerkraft durch den Filter. Auf den Ausguss setzt man den Cuppetiello, ein kleines Papierhütchen, das das Aroma bewahrt.
Unsterblich gemacht hat dieses Ritual Eduardo De Filippo in der Komödie Questi fantasmi, in der der Protagonist dem Nachbarn vom Balkon aus alle Schritte erklärt, um einen Kaffee richtig zuzubereiten. Wir empfehlen, sie noch einmal anzuschauen: Es ist eine der beliebtesten Szenen des neapolitanischen Theaters.
Der Caffè sospeso
Die schönste Tradition ist die des Caffè sospeso, des „aufgeschobenen Kaffees“. Wer in die Bar kommt, bezahlt zwei Kaffees, trinkt aber nur einen: Der andere bleibt „offen“ für jemanden, der später kommt und ihn sich nicht leisten kann. Eine anonyme Geste der Solidarität, ohne Dank.
Laut dem Schriftsteller Riccardo Pazzaglia soll der Brauch aus kleinen Streitereien unter Freunden beim Bezahlen entstanden sein: Im Zweifel zahlte jemand einen Kaffee zu viel und überließ ihn einem Fremden. 2008 hat Luciano De Crescenzo Gedanken und Anekdoten zum Thema im Buch Il caffè sospeso gesammelt.
Von Neapel aus ist die Idee um die Welt gegangen, von Spanien bis Argentinien, und mit der Zeit sind Netzwerke und Vereine entstanden, die sie für wohltätige Zwecke fördern. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, macht es selbst einmal: Es ist eine schöne Art, sich als Teil der Stadt zu fühlen.
Wie man ihn in Neapel trinkt
Der neapolitanische Kaffee ist kurz und intensiv, oft in einer vorgewärmten Tazzina serviert. In vielen Bars bekommt ihr auch ein Glas Wasser, das man vorher trinkt, um den Gaumen vorzubereiten. Und wenn euch jemand einen Kaffee anbietet, gibt es nur einen Rat: Nehmt an.
In der Umgebung
Kaffee ist der perfekte Abschluss eines neapolitanischen Essens: Was ihr vorher bestellen solltet, verrät Was man in Neapel isst, und dazu passen Der neapolitanische Babà oder Die neapolitanische Sfogliatella. Weitere Bräuche der Stadt erwarten euch in Berühmte neapolitanische Traditionen. Für die Reiseplanung beginnt mit Neapel und Umgebung.
Foto oben (Neapel): This Photo was taken by Wolfgang Moroder. Feel free to use my photos, but please mention me as the author and send me a message. This image is not in the public domain. Please respect the copyright protection. It may only be used according to the rules mentioned here. This specifically excludes use in social media, if applicable terms of the licenses listed here not appropriate. Please do not upload an updated image here without consultation with the Author. The author would like to make corrections only at his own source. This ensures that the changes are preserved.Please if you think that any changes should be required, please inform the author.Otherwise you can upload a new image with a new name. Please use one of the templates derivative or extract., CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.
