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Der Fortore im Sannio: Grenzdörfer zwischen Kampanien, Molise und Apulien

Der Fortore im Sannio: Grenzdörfer zwischen Kampanien, Molise und Apulien
Foto: Turismo Campano · Icone Lucide (licenza ISC)

Es gibt ein Kampanien, das weder am Meer liegt noch in den großen Kunststädten: das des Fortore, ganz im Nordosten der Provinz Benevento, wo die Region an Molise und Apulien grenzt. Hier werden die Hügel weit und wellig, die Dörfer liegen auf den Anhöhen, und Weizenfelder wechseln sich mit Wäldern und Weiden ab. Wir sind aus Neugier hergekommen und wegen der Stille wiedergekehrt. Wenn Sie eine langsame Reise abseits der ausgetretenen Pfade suchen, ist dies eine Gegend, die es zu entdecken gilt.

Wo der Fortore entspringt

Die Gegend ist nach dem Fluss Fortore benannt, der im kampanischen Apennin an den Hängen des Monte Altieri entspringt. Der rund 86 Kilometer lange Fluss entsteht aus dem Zusammenfluss von vier Bächen, die von den Dörfern der Gegend herabkommen; die Vereinigung liegt wenige Kilometer von San Bartolomeo in Galdo entfernt. Nach etwa 22 Kilometern verlässt er die Provinz Benevento im Gebiet von Castelvetere in Val Fortore und fließt weiter nach Norden bis zur Adria. Schon antike Autoren kannten den Fluss und nannten ihn unter den Gewässern Süditaliens.

Dem Fortore zu folgen heißt, eine Handvoll Gemeinden zu durchqueren, die seinen Namen tragen: Neben Castelvetere sind das Foiano di Val Fortore und Montefalcone di Val Fortore, in deren Gebiet zwei der Bäche entspringen, die den Fluss bilden. Es sind kleine Orte, in denen das Leben noch dem Rhythmus der Felder folgt.

San Bartolomeo in Galdo, das von einem Abt gegründete Dorf

Der größte Ort der Gegend ist San Bartolomeo in Galdo, auf etwa 600 Metern Höhe, auf einem Hügel voller Weinberge, Olivenhaine und Gemüsegärten. Seine Geschichte beginnt im 14. Jahrhundert: Der Abt des Benediktinerklosters Santa Maria a Mazzocca beschloss, mit Zustimmung des Königs von Neapel Robert von Anjou den Ort zu gründen, und der Bau begann 1327.

Das wichtigste Bauwerk ist die dem Apostel Bartholomäus geweihte Mutterkirche, einst Kathedrale der alten Diözese Vulturara. Sie wurde 1703 erweitert und neu geweiht und bewahrt ein Portal aus dem 15. Jahrhundert. Daneben ist der Glockenturm das eigentliche Wahrzeichen des Dorfes: Sie sehen ihn schon von Weitem bei der Anfahrt. In der Altstadt lohnen der Bischofspalast, der klassizistische Palazzo Catalano und der Renaissance-Palazzo Martini einen Blick, während ein restaurierter historischer Palast das Stadtmuseum beherbergt.

Die farbenfrohste Überraschung sind jedoch die Wandmalereien: Seit den 1970er-Jahren bemalen Künstler und Bewohner die Mauern des Ortes, und seit Langem wird die Tradition mit einem Sommertermin erneuert, bei dem neue Werke hinzukommen. Auf der Suche nach den Murals durch die Gassen zu streifen ist die beste Art, San Bartolomeo kennenzulernen.

Baselice und der Palazzo Lembo

Gegenüber von San Bartolomeo, am linken Ufer des Fortore, liegt Baselice auf etwa 620 Metern. Der Ort hat eine Grenzgeschichte, die sich in den Urkunden nachlesen lässt: Er gehörte bis 1811 zur apulischen Capitanata, dann zu Molise, und kam 1861 zur Provinz Benevento. 1727 begrub ein Erdrutsch ihn fast vollständig, und der Ort, den wir heute sehen, ist großenteils das Ergebnis des Wiederaufbaus.

Das bedeutendste Bauwerk ist das Castello-Palazzo Lembo, ein befestigter Wohnsitz, der auch die Gemeindebibliothek beherbergt. Einen Besuch lohnt auch die Kirche Madonna delle Grazie mit dem Grab des Lehnsherrn Ottavio Carafa, und im Ort gibt es ein kleines paläontologisches Museum, interessant für alle, die mit Kindern reisen.

Eine Landschaft, die man langsam durchquert

Das Schöne am Fortore liegt auch in der Fahrt von einem Dorf zum nächsten. Die Straßen verlaufen auf den Bergrücken, mit Ausblicken, die im Sommer goldgelb vom Weizen und im Frühling sattgrün sind. Die Gegend eignet sich für alle, die Folgendes lieben:

  • gemächliches Fahren auf wenig befahrenen Straßen, mit Halt an Aussichtspunkten;
  • Spaziergänge durch die Altstädte, zwischen Kirchen, Steinportalen und kleinen Palästen;
  • die ländliche Küche mit hausgemachter Pasta, Hülsenfrüchten, Käse und Wurstwaren;
  • die religiösen Feste und Patronatsfeste, die die Gemeinschaften und die Ausgewanderten zusammenbringen.

Gerade wegen der starken Auswanderung in der Vergangenheit kommen viele Besucher auf den Spuren ihrer Vorfahren hierher: Wenn das auch auf Sie zutrifft, lesen Sie Wurzeltourismus in Kampanien: zurück in den Ort der Vorfahren.

Anreise und beste Reisezeit

Den Fortore erreicht man nur mit dem Auto: Von Benevento fährt man durch die Hügel des Sannio nach Nordosten, in etwa einer Stunde. Die Straßen sind kurvig, planen Sie also großzügig. Die besten Jahreszeiten sind der späte Frühling und der Frühherbst; im Winter kann es in dieser Höhe Schnee und Eis geben. Kirchen, Museen und Paläste haben wechselnde Öffnungszeiten: Prüfen Sie diese vor der Abfahrt auf den offiziellen Websites der Gemeinden.

In der Umgebung

Um den Fortore mit dem Rest der Provinz zu verbinden, starten Sie mit unserem Reiseführer Benevento und Umgebung. Wenn Sie eine weitere wenig bekannte Gegend im Landesinneren anschließen möchten: Das östliche Irpinien mit den schönen Dörfern Zungoli, Monteverde und Nusco ist nicht weit.

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